Es gibt in Cornwall einige Menschen, die auf einer Farm zusammen leben und zum Teil auch zusammen arbeiten. Dieses Projekt trägt den Namen: „Living with Respect“ (Respektvoll leben).
Ich finde, das es uns und der Welt gut tun würde, wenn wir dieses „Motto“ für uns selbst übernehmen könnten. Und ich meine damit nicht die Angst – die sich gerne als Respekt tarnt. Die Angst vor etwas Großem und Schwierigen, oder vor jemandem, der vielleicht mächtiger ist als wir, sondern den Respekt, den wir allen Dingen entgegenbringen können, egal wie groß oder klein sie sind.
Respekt ist eine Eigenschaft, die uns als Menschen auszeichnet. In der Tierwelt gibt es diese Art von Respekt nicht. Denn Respekt ist nicht etwas Automatisches, wir Menschen können wählen, wie wir mit anderen Menschen, Tieren, Pflanzen und der Welt umgehen…
Die andere Seite ist, dass wir Menschen alle das (mehr oder weniger bewusste) innere Wissen in uns haben, dass wir etwas Besonderes hier auf der Erde sind, weil wir Fähigkeiten und Freiheiten haben, die Lichtjahre vom dem entfernt sind, was Tieren möglich und erlaubt ist.
Deshalb haben wir auch den tiefen Wunsch in uns, mit Respekt behandelt zu werden. Der Mangel an Respekt kann zu tiefen Verletzungen, zu Depressionen, zu Krankheit oder auch in die Kriminalität führen. In sofern liegt die „Gesundheit“ einer Gesellschaft in hohen Maß auch davon ab, ob wir unser Gegenüber mit Respekt behandeln oder nicht.
Das Gegenteil von Respekt – Verachtung – ist immer leicht und schnell zur Hand. Sie resultiert aber oft aus unserer eigenen Schwäche und Unsicherheit, aus unserer Unfähigkeit, Widersprüche auszuhalten. Dabei können wir unsere eigenen Ansichten und Wege haben, ohne dabei andere – mit abweichender Meinung und anderen Wegen – herab zu würdigen.
Viele Menschen fühlen sich ohnmächtig in dieser komplexen Welt, voller Bürokratie, Verordnungen und Gesetzen. Aber wir sind viel mächtiger als wir glauben. Uns und andere bewusst respektvoll zu behandeln ist ein Anfang, dessen Konsequenzen wir nicht abschätzen können.
Andererseits konfrontiert uns die Idee eines respektvollen Lebens mit unserer Lebenswirklichkeit. Die Art, wie wir Tiere halten und schlachten, hat kaum etwas mit Respekt zu tun. Die rücksichtslose Ausbeutung der Rohstoffe der Erde auch nicht. Die Art und Weise, wie wir Kinder erziehen, wie wir mit Kranken und Alten umgehen…
Respektvoll leben betrifft alle Bereiche unseres Lebens und hätte dramatische Auswirkungen. Aber wir können ja im Kleinen anfangen und uns die größere Veränderung wünschen, denn wir alle wollen ja gerne respektvoll behandelt werden.
Danke für deinen Beitrag, der mich inspiriert, an einer Episode der Lebens-Geschichte weiterzuschreiben, die in diesem speziellen Beispiel über eine Person erzählt, die in Heimarbeit am PC sitzt und plötzlich überraschend statt des geschriebenen Textes ein abgespanntes, hartes, gequältes Gesicht im Spiegel des Bildschirms sieht, das eigene, was ihr nicht gefällt und was bewirkt, dass sie ihr Verhalten neu betrachtet.
Wieviel Respekt bringe ich mir selbst entgegen, auch in scheinbar unbeobachteten Momenten?
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