Vielleicht desillusioniere ich Sie/Euch durch das, was jetzt folgt:
Wir Menschen sind schwach, verletzlich, empfindsam und sterblich. Das ist die Wahrheit.
Durch die von uns entwickelten Techniken ist uns das nicht so sehr bewusst. Wir setzen uns in eine Kiste aus Blech, geben Gas und fahren mit 160 Stundenkilometer über die Autobahn. Alles was wir tun ist, den Fuß bewegen und am Lenkrad zu drehen. Das ist auch alles, was wir können. Alles andere macht die Technik für uns. Das Tragische dabei ist, es gibt uns ein falsches Gefühl über unsere Grenzen. Wir sind nicht für so hohe Geschwindigkeiten gemacht.
Wir fliegen durch die ganze Welt, dabei können wir gar nicht fliegen. Einige von uns konstruieren schon ein „Grundrecht“ auf Fliegen: Dabei fügt Fliegen uns und unserer Umwelt großen Schaden zu. Gibt es ein Grundrecht darauf, unserem Heimatplaneten Schaden zuzuführen?
Wir können alles mögliche überleben, denn unser System ist hoch flexibel und anpassungsfähig. Aber all das lenkt nur von dem ab, was wir Menschen wirklich sind: Einfühlsam, Mitfühlend, Sensibel…Das können wir uns auf der Autobahn bei „unmenschlichen“ Geschwindigkeiten gar nicht erlauben.
Es ist schon paradox: Wir Menschen sind zarte Wesen. Wir sind nicht mit Krallen, Stacheln oder einem Panzer ausgerüstet. Das soll wohl so sein. Aber wir fürchten uns deshalb und bauen Panzer, Mauern und Bunker, damit wir uns stark und unverletzlich fühlen können. .
Deshalb bewaffnen wir uns mit allerlei Dingen. Ich frage mich schon seit langem: Ist ein Mensch mit einem Gewehr in der Hand wirklich noch ein Mensch? Schließlich ist noch nie ein Mensch bewaffnet geboren worden. Vielleicht trotzdem noch Mensch, aber vom menschlichen Weg abgekommen?
Wir sollten erkennen, dass in unserer Schwäche unsere größte Kraft liegt. Wir können es nicht mit einem Löwen aufnehmen, der Gepard wird immer schneller laufen als wir. Jeder Fisch lacht über unsere Schwimmkünste. Aber wir küren Weltmeister in allen möglichen Disziplinen, ohne gegen die wahren Champions anzutreten.
Andererseits hat noch kein Elefant jemals ein Gedicht geschrieben, kein Affe Musik komponiert oder gespielt. Wenn wir wissen wollen, wer wir sind, sollten wir an unseren Ursprung – unsere Geburt – zurückgehen: Wir waren nackt, verletzlich, schutzbedürftig – aber mit dem absoluten Willen zu leben, zu lernen, voller Neugier auf diese Welt.
Nicht in unserer Panzerung, in unserer Offenheit liegt unsere wahre Stärke.
P.S.: Wir haben den Gedanken an den Tod weitgehend aus unserem Alltag verbannt. Ich empfehle trotzdem mal darüber nachzudenken, was einmal auf unserem Grabstein stehen soll.
Eine lyrische Versinnbildlichung unseres Erscheinungsbildes:
Für die Harmonie des Menschenlebens ist kein böser Zahn gegeben,
Weder Kralle, Pranke, Horn Geweih / auch kein Todesstachel war dabei.
So ist von Gliedern abzulesen, der Mensch ein friedfertiges Wesen.
Jeder Leibesteil aller Wesen, bedarf die Spezies um zu Leben.
Doch ist eins von dieser Pflicht befreit, und das ist des Menschen Vorderbein.
Darum ist es ihm gegeben, viele Dinge in die Hand zu nehmen.
Wärme, Schwere und die Form leiten Händenerven zu dem Kopf empor.
Klang, Geruch und auch die Farbe, sind überaus komplexe Hirnsignale.
In Fülle aller Kopfessinne, ›begreift‹ der Mensch nun diese Dinge.
Die freien Körperarme waren’s, die seinen Geist empor getragen.
So ist des Menschen ganzes Wesen von seinem Hirn aus vorgegeben.
D. Knorr, Sep. 2007
Das menschliche (Gattungs-)Spezifikum ist sein Kommunikations-, bzw. sein Geselligkeitstalent. Dieses ›Spitzentalent‹ ist ebenso offensichtlich, wie das, dass er außer eine perzeptorisch erotische Auffälligkeit, ansonsten kein besonderes Arten- oder Leistungsmerkmal aufzeigen kann. Wegen seiner fast unauffälligen Ausstattung erreicht er – vergleichsweise zu anderen Arten – nur jeweilig einen Durchschnittswert. Er sieht nicht sonderlich gut (Adler), er läuft nicht sonderlich schnell (Leopard), er riecht nur beträchtliche starke- und sehr wenige Aromen (Schwein/Hund), er hat kein Schutz (Schuppen, Panzerung, Fell), er hat keine Verteidigungs- oder Angriffsmittel (Schild/Hauer) usw. Er ist, nach J. G. Herder oder nach A. Gehlen in dieser Erscheinungskategorie das Mängelwesen par excellence. Dieser gattungsartige Phänotyp ist evident und kann – hinsichtlich eines intakten Wahrnehmungs- und Deutungsvermögens – eigentlich nicht verleugnet werden.
Nur mittels technischer Prothesen vermag er diesen phänotypischen Mangel wettzubekommen.
Das heißt jedoch, dass er von Natur aus, keinesfalls ein Arbeitswesen ist.
Diese Eigenschaft wird ihm missbräuchlich angedichtet.
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