Die Geschichte vom kleinen und vom großen Ich

Im Großen und Ganzen befinde ich mich in zwei unterschiedlichen Zuständen, die sich aber auch zuweilen überlagern und vermischen: Ich nenne sie hier mal das kleine Ich und das große Ich.

Das große Ich ist neugierig, offen und großzügig. Es weiß, dass es von guten Dingen umgeben und behütet ist. Das es Teil des Lebensflusses ist, der weiter und weiter geht. Es weiß, dass alles miteinander verbunden ist und Abgrenzungen deshalb Unfug ist. Es ist sich bewusst, Teil des Universums und „Endprodukt“ einer langen Entwicklung der Menschheit hin zu diesem Zeitpunkt zu sein.

Das kleine Ich dagegen ist ängstlich, engstirnig und ungnädig. Es sorgt sich um „sein“ Territorium, sein Auskommen, seine Zukunft… Überhaupt spielen die Begriffe meins und ich eine wichtige Rolle fürs kleine Ich. Es betrachtet Fremdes und Fremde mit Argwohn und Sorge. Es sieht sich als allein und isoliert an, und muss deshalb ständig gegen andere kämpfen und sich ständig beweisen.

Das große Ich weiß, dass es gewollt ist, sonst würde es nicht hier sein und jeden Tag und jede Sekunde mit Energie versorgt werden, es hätte nicht die unglaubliche Freiheit, die wir alle haben. Es hätte nicht die Möglichkeit wachsenden Bewusstseins und zunehmender Kreativität. Das große Ich weiß oder ahnt zumindest, dass es einen Sinn gibt, den wir Menschen finden können, und dass das unglaubliche Universum mit all seinen Wundern nicht zufällig entstanden ist. Für das große Ich gibt es keine Zufälle.

Das kleine Ich dagegen braucht ständig die Anerkennung von anderen. Es sucht ständig nach Bestätigung und persönlichem Erfolg. Oft erfolgt dieser Erfolg auf Kosten anderer, deshalb gibt es für das kleine Ich kein andauerndes Gefühl von Zufriedenheit und Glück. Es sucht die Erfüllung in materiellen Dingen außerhalb von sich selbst.

Das große Ich dagegen ist glücklich darüber, als Mensch mit allen seinen Möglichkeiten, Freiheiten und Fähigkeiten auf diesem wundervollem Planeten leben zu dürfen und zu können. Mitspieler und Zeuge zu sein in dem großartigen Spiel der Evolution und der Emanzipation der Menschheit.

Interessanterweise kommen Neugeborene fast immer (abhängig von der Erfahrung im Mutterleib) nur mit dem großen Ich zur Welt. Sie sind wissbegierig und offen. Sie haben keine Sorgen mit Image und Status. Sie wollen einfach Erfahrungen machen und dabei alles über sich und die Welt lernen.

Das kleine Ich entwickelt sich erst später, dadurch dass wir gezwungen werden, uns an bestehende Normen und Verhaltensmuster anzupassen. Wenn die Dinge unterteilt werden in „gut“ und „schlecht“.

Das macht die Frage einfacher, welches das wahre Ich ist. Aber das ist leider nur eine intellektuelle Überlegung, solange wir nicht entsprechend handeln und leben. Lassen wir uns es versuchen! Gemeinsam geht es besser und alles andere ist doch nur Selbsttäuschung und Selbstbetrug.

 

 

Ein Gedanke zu “Die Geschichte vom kleinen und vom großen Ich

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