Vielleicht ist ja alles ganz anders, als wir glauben. Wir meinen, wir hätten ein Leben, aber in Wirklichkeit hat das Leben uns. Deshalb können wir nicht einfach unseren Atem anhalten, wenn wir von allem mal genug haben. Wenn wir es versuchen, werden wir ohnmächtig und atmen wieder, weil das Leben in uns stärker ist als wir selbst.
Wir sind der Ort, wo das Leben sich auf einzigartige Weise ausdrücken kann, weil jeder von uns einzigartig ist. Wir sind die Bühne, auf der sich Leben abspielt. Das Leben ist größer als wir! Wie können wir glauben, dass wir es besitzen können! Je mehr wir glauben, alles kontrollieren zu müssen, um so ärmer machen wir das Leben, und damit unser eigenes Leben auch. Wir verengen den ungeheuren Fluss des Lebens zu einem Rinnsal, das wir handhaben können, oder glauben, handhaben zu können.
Es gibt kein „gutes Leben“ und kein „schlechtes Leben“. Leben entzieht sich unserem Urteil. Es reicht von der Amöbe bis zum Elefanten, von der Alge bis zum Mammutbaum. Natürlich sind die Lebensumstände für manche Menschen besser als für andere. Ich habe keine Ahnung, wie das Leben für jemand ist, der täglich ums Überleben kämpfen muss. Dafür bin ich dankbar, aber vielleicht nicht dankbar genug, weil ich persönlich nie Hunger und Elend erlebt habe.
Was ich oben gesagt habe, bedeutet nicht, dass wir wie Marionetten sind, die nicht zu sagen haben. Wir können die Standards setzen für das, was sich auf „unserer“ Bühne abspielt. Wir können miese Charaktere und schlechte Schauspieler von dieser Bühne verbannen… Das ist unser Privileg als Menschen, „Nein“ zu sagen, zu all den destruktiven, lebensfeindlichen, bösen Dingen, die unsere Bühne für ihre eigenen Zwecke nutzen wollen.
Aber wollen wir wirklich im Vorhinein alles wissen und bestimmen, was in unserem Leben geschehen soll? Oder suchen, finden und spüren wir jeden Tag die Wunder, die das Leben für uns bereit hält?