Emanzipation, aber richtig!

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Was wir wirklich wissen

Wir wissen nicht so viel, wie wir leider glauben zu wissen.

Das wäre gar nicht so schlimm, wenn wir einfach zugeben könnten, dass wir nicht wirklich wissen, was vor sich geht. Nur ein Beispiel: Wir wissen, dass die Temperatur auf der Erde ansteigt. Das wissen wir, das kann wissenschaftlich belegt werden. Warum das so ist, wissen wir jedoch nicht.

Wahrscheinlich ist es eine ganze Reihe von Faktoren, die dazu geführt haben. CO2 ist vielleicht einer der Faktoren, es können aber auch ganz andere Dinge eine Rolle dabei spielen. Wir wissen es einfach nicht.

Ich halte es für arrogant, dass wir Menschen meinen, wir seien der entscheidende Faktor in dem, was geschieht. Dieser Planet, die Erde, ist so in etwa 4,5 Milliarden Jahre alt, die ersten menschlichen Wesen erschienen vor etwa 2 Millionen Jahren. Das kann man mal ruhig auf sich wirken lassen.

Natürlich haben wir Menschen einen großen Eindruck hinterlassen, in der relativ kurzen Zeit unserer Existenz hier, aber wir sind nicht der entscheidende Faktor, glaube ich.

Ich möchte damit nicht propagieren, wir könnten Tun und Sein lassen, was wir wollen – ganz im Gegenteil. Unsere heutige Lebensweise ist zu schnell, zu heiß, zu gierig, zu unbedacht. Wir suchen schnelle Lösungen, wo es vielleicht Geduld und Langmut bedarf. Wir finden Lösungen auf Kosten anderer, oder Lösungen, deren Folgen wir weder bedacht noch erwartet haben.

Wir haben z.B. keine Ahnung was Gentechnologie langfristig bewirkt, was Smartphones und der ständige Konsum von Informationen, Nachrichten und Meldungen mit uns macht. Was macht „leben“ in einer „virtuellen“ Realität mit uns. Wir verwirren unsere Sinne und damit auch unsere Seele, die uns doch Orientierung in dieser Welt geben sollten und müssen.

Es ist so viel besser zuzugeben, etwas nicht zu wissen, als sich selbst – und andere – zu belügen.

„Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ Das ist nicht nur ein kluger Spruch, sondern der Anfang davon, zu verstehen, was mit uns und um uns herum geschieht. Es ist der Beginn der Suche nach Wahrheit – und die Suche nach Wahrheit ist eine der Qualitäten, die menschliches Leben ausmachen.

Position beziehen

Ich höre beim Autofahren ganz gerne Musik im Radio, meistens die gängige Popmusik. Das ist meistens ein ziemlich willkürlicher Mix aus unterschiedlichen Stilen und Jahren. Nicht alles davon finde ich toll, manches ganz nett und einiges gut. Es gibt da jedoch einen Song, bei dem ich sofort den Sender verlasse oder das Radio ganz ausmache: Es ist das Lied der „Bloodhound Gang“: „You and I are nothing but mammals“. („Du und ich sind nichts anderes als Säugetiere“)

Der Text ist so ignorant, das ich ihn nicht ertragen kann. Er ist frei von jeglicher Wertschätzung für die vielen Millionen Jahre, die es gedauert hat, bevor überhaupt Leben auf diesem Planeten entstehen konnte. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist annähernd „Null“. Bei genauerer Betrachtung ist die Entstehung des Lebens ein Wunder.

Und nach weiteren Millionen von Jahren von Entwicklung gab es dann die ersten Säugetiere, und nach einer weiteren langen Entwicklung entstanden dann die ersten Menschen, ein evolutionärer Sprung, der uns so weit über die Tierwelt hinausgebracht hat, dass wir heute immer noch nicht so recht wissen, was wir mit unseren menschlichen Gaben eigentlich anfangen sollen.

Ich widerspreche komplett der Ansicht, das die Menschen Säugetiere sind. Unsere Körper funktionieren natürlich ähnlich wie die der Tiere – wir brauchen, genau wie sie – Essen, Wasser, Wärme, Luft, Freiheit, Licht, Schlaf und vieles mehr. Das allerdings ist nur die unterste Ebene – die körperliche – unserer Existenz. Darüber gibt viele andere Ebenen, die uns erst zu Menschen machen.

Da ist die Intellektuelle Ebene, die es uns ermöglicht, unseren Lebensraum nach unseren Wünschen zu gestalten. Tiere passen sich ihrer Umgebung an, wir passen unsere Umgebung unseren Bedürfnissen an. Wir können planen und heute schon für morgen sorgen. Wir haben die Freiheit, zwischen verschiedenen Möglichkeiten und Optionen zu wählen, und können die Konsequenzen unseres Handelns erkennen und abschätzen.

Und da ist die geistige, spirituelle Ebene, wo wir kreativ sind, wo es Musik, Kunst, Philosophie, Religion, Medizin, Poesie gibt. Alles Bereiche von menschlicher Tätigkeit.

Wie steht es mit Hoffnung, Glaube, Liebe, Wohlwollen, Nächstenliebe, Freundschaft…Alles rein menschliche Bereiche.

Tiere können das alles nicht, sie sind intelligent programmiert und zu Erstaunlichem fähig, aber sie sind nicht frei in ihren Entscheidungen. Es ist eine interessante Übung, sich mal ein Wörterbuch zu nehmen und nach zu sehen, wie viele Worte es ohne uns Menschen nicht geben würde. (Natürlich gäbe es ohne Menschen auch kein Wörterbuch!)

Wenn wir beginnen, uns für intelligente Tiere zu halten, öffnet das die Tür für den Verlust aller menschlichen Standards, es ist der Beginn des Verlusts jeglichen Respekts für menschliches und anderes Leben, der Beginn der Barbarei.

Das liegt natürlich nicht an einem Popsong, aber dieser Song wirft ein Schlaglicht auf eine gefährliche Tendenz. Menschliches Leben ist wertvoll, kostbar, unbezahlbar, weil wir alle einmalig sind, weil wir lebendig sind und voller Möglichkeiten und Potenzial. So, danke „Bloodhound Gang“, das eurer Song mich immer wieder daran erinnert, dass ich Position beziehen muss.

Position für die Menschen, die Zukunft und die zukünftigen Generationen, damit auch die noch eine lebenswerte Welt, voller Leben und Menschlichkeit, Wärme und Verständnis, Toleranz und Vergebung, vorfinden.

Nachricht

Vielleicht desillusioniere ich Sie/Euch durch das, was jetzt folgt:

Wir Menschen sind schwach, verletzlich, empfindsam und sterblich. Das ist die Wahrheit.

Durch die von uns entwickelten Techniken ist uns das nicht so sehr bewusst. Wir setzen uns in eine Kiste aus Blech, geben Gas und fahren mit 160 Stundenkilometer über die Autobahn. Alles was wir tun ist, den Fuß bewegen und am Lenkrad zu drehen. Das ist auch alles, was wir können. Alles andere macht die Technik für uns. Das Tragische dabei ist, es gibt uns ein falsches Gefühl über unsere Grenzen. Wir sind nicht für so hohe Geschwindigkeiten gemacht.

Wir fliegen durch die ganze Welt, dabei können wir gar nicht fliegen. Einige von uns konstruieren schon ein „Grundrecht“ auf Fliegen: Dabei fügt Fliegen uns und unserer Umwelt großen Schaden zu. Gibt es ein Grundrecht darauf, unserem Heimatplaneten Schaden zuzuführen?

Wir können alles mögliche überleben, denn unser System ist hoch flexibel und anpassungsfähig. Aber all das lenkt nur von dem ab, was wir Menschen wirklich sind: Einfühlsam, Mitfühlend, Sensibel…Das können wir uns auf der Autobahn bei „unmenschlichen“ Geschwindigkeiten gar nicht erlauben.

Es ist schon paradox: Wir Menschen sind zarte Wesen. Wir sind nicht mit Krallen, Stacheln oder einem Panzer ausgerüstet. Das soll wohl so sein. Aber wir fürchten uns deshalb und bauen Panzer, Mauern und Bunker, damit wir uns stark und unverletzlich fühlen können. .

Deshalb bewaffnen wir uns mit allerlei Dingen. Ich frage mich schon seit langem: Ist ein Mensch mit einem Gewehr in der Hand wirklich noch ein Mensch? Schließlich ist noch nie ein Mensch bewaffnet geboren worden. Vielleicht trotzdem noch Mensch, aber vom menschlichen Weg abgekommen?

Wir sollten erkennen, dass in unserer Schwäche unsere größte Kraft liegt. Wir können es nicht mit einem Löwen aufnehmen, der Gepard wird immer schneller laufen als wir. Jeder Fisch lacht über unsere Schwimmkünste. Aber wir küren Weltmeister in allen möglichen Disziplinen, ohne gegen die wahren Champions anzutreten.

Andererseits hat noch kein Elefant jemals ein Gedicht geschrieben, kein Affe Musik komponiert oder gespielt. Wenn wir wissen wollen, wer wir sind, sollten wir an unseren Ursprung – unsere Geburt – zurückgehen: Wir waren nackt, verletzlich, schutzbedürftig – aber mit dem absoluten Willen zu leben, zu lernen, voller Neugier auf diese Welt.

Nicht in unserer Panzerung,  in unserer Offenheit liegt unsere wahre Stärke.

P.S.: Wir haben den Gedanken an den Tod weitgehend aus unserem Alltag verbannt. Ich empfehle trotzdem mal darüber nachzudenken, was einmal auf unserem Grabstein stehen soll.