Emanzipation, aber richtig!

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Was wir wirklich wissen

Wir wissen nicht so viel, wie wir leider glauben zu wissen.

Das wäre gar nicht so schlimm, wenn wir einfach zugeben könnten, dass wir nicht wirklich wissen, was vor sich geht. Nur ein Beispiel: Wir wissen, dass die Temperatur auf der Erde ansteigt. Das wissen wir, das kann wissenschaftlich belegt werden. Warum das so ist, wissen wir jedoch nicht.

Wahrscheinlich ist es eine ganze Reihe von Faktoren, die dazu geführt haben. CO2 ist vielleicht einer der Faktoren, es können aber auch ganz andere Dinge eine Rolle dabei spielen. Wir wissen es einfach nicht.

Ich halte es für arrogant, dass wir Menschen meinen, wir seien der entscheidende Faktor in dem, was geschieht. Dieser Planet, die Erde, ist so in etwa 4,5 Milliarden Jahre alt, die ersten menschlichen Wesen erschienen vor etwa 2 Millionen Jahren. Das kann man mal ruhig auf sich wirken lassen.

Natürlich haben wir Menschen einen großen Eindruck hinterlassen, in der relativ kurzen Zeit unserer Existenz hier, aber wir sind nicht der entscheidende Faktor, glaube ich.

Ich möchte damit nicht propagieren, wir könnten Tun und Sein lassen, was wir wollen – ganz im Gegenteil. Unsere heutige Lebensweise ist zu schnell, zu heiß, zu gierig, zu unbedacht. Wir suchen schnelle Lösungen, wo es vielleicht Geduld und Langmut bedarf. Wir finden Lösungen auf Kosten anderer, oder Lösungen, deren Folgen wir weder bedacht noch erwartet haben.

Wir haben z.B. keine Ahnung was Gentechnologie langfristig bewirkt, was Smartphones und der ständige Konsum von Informationen, Nachrichten und Meldungen mit uns macht. Was macht „leben“ in einer „virtuellen“ Realität mit uns. Wir verwirren unsere Sinne und damit auch unsere Seele, die uns doch Orientierung in dieser Welt geben sollten und müssen.

Es ist so viel besser zuzugeben, etwas nicht zu wissen, als sich selbst – und andere – zu belügen.

„Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ Das ist nicht nur ein kluger Spruch, sondern der Anfang davon, zu verstehen, was mit uns und um uns herum geschieht. Es ist der Beginn der Suche nach Wahrheit – und die Suche nach Wahrheit ist eine der Qualitäten, die menschliches Leben ausmachen.

Alltägliche Wunder

Wir sind umgeben von Wundern und sehen sie nicht, weil sie so alltäglich sind und wir sind damit so vertraut, dass wir sie nicht mehr als das ansehen, was sie sind: Wunder.

Dabei könnte unser Leben durch diese Wunder so sehr bereichert werden.

Betrachten wir zum Beispiel eine Rose oder auch jede andere Blume. Da kommt ein grüner Stängel aus der Erde, mit ein paar grünen Blättern daran und ein paar Verdickungen am Ende. Ist die Pflanze vielleicht krank? Und an einem Punkt geschieht das Wunder, die Verdickung bricht auf und es entfaltet sich ein Blüten, Formen und Farbenmeer – eines der unzähligen Wunder, die uns täglich umgeben.

Unser Nachbar ist auch so ein Wunder, egal ob wir ihn mögen oder nicht. Er hat, wie wir alle, mal ganz klein angefangen, mit einer Eizelle und einer Samenzelle. Dieser Anfang war so winzig, dass man ein Mikroskop brauchte, um überhaupt etwas zu erkennen. Daraus ist ein Mensch entstanden, der ganz viele Möglichkeiten hat, der sprechen und kommunizieren kann, vielleicht kann er sogar singen und musizieren und tausenderlei Dinge mehr, von denen wir nichts wissen.

Ganz normal, trotzdem ein Wunder, denn wir wissen nicht, wie das geschehen ist. Das wir es normal finden, hilft uns im alltäglichen Leben. Ich kann ja nicht ständig stehen bleiben und all die Wunder um mich herum bewundern – aber wir sollten uns schon hin und wieder klar machen, dass wir besser wieder wie die Kinder werden, die noch staunend und offen in die Welt um sich herum geblickt haben – neugierig und suchend, voller Fragen und mit leuchtenden, staunenden Augen, in einer Welt voller Wunder.

Unvergleichlich

Es gibt viele Ratgeber und Vorschläge, wie man den Tag gut – oder sogar optimal – beginnen kann oder sollte.

Ich habe da auch einen Vorschlag: Betrachtet doch mal eure Hände – in dem Bewusstsein und dem Wissen, dass das, was wir da sehen, einmalig ist. Es hat es in dieser Art, in dieser Kombination von Linien, Kurven, Verästelungen, Schwüngen und Schattierungen noch nie gegeben – und es wird es auch nie wieder so geben.

Und das gleiche gilt auch für unsere Augen, unsere Stimme, unsere Handschrift, unsere Bewegungen – alles einmalig, unwiederholbar.

Und dann ist da noch so viel mehr, was wir nicht sehen können. Jeder von uns hat eine einmalige Geschichte. Niemand sonst wurde zur gleichen Zeit, am selben Ort, von der gleichen Mutter geboren – selbst Zwillinge nicht. Es gibt immer einen ersten und einen zweiten, und das beinhaltet keinerlei Wertung.

Wenn wir uns das vergegenwärtigen, ist es danach völlig unsinnig, sich mit irgendjemandem zu vergleichen, zu denken, dass man nicht gleichwertig ist, egal, ob über- oder unterlegen. Keine Schneeflocke ist schöner als eine andere – Schönheit ist Schönheit, unvergleichbar.

Es ist der Irrsinn der heutigen Zeit, die verschiedene Menschen gegeneinander antreten lässt, um den/die Beste(n) zu finden. Das Beste von uns können wir nur selbst in uns finden, und dann nach außen bringen, in eine Tat umsetzen.

Wobei Tat auch sein kann, die Einmaligkeit meines Gegenübers zu erkennen und anzuerkennen – ihn nicht zu vergleichen mit einem Ideal oder Idol – welches meistens nur ein falsches Bild ist, „Fake“ eben. Aber auch nicht mit anderen Menschen, die wir kennen und die wir mögen und wertschätzen. Respekt ist es, den anderen so anzunehmen, wie er ist.

Das heißt nicht, zu allem was der andere macht, sagt und denkt, zuzustimmen. Aber ohne die erste Anerkennung, dass ich mich jemandem einmaligem gegenüber befinde, fehlt jede Grundlage für Kommunikation.

Ganz nebenbei, die Tatsache, dass wir einmalig sind, ist auch der Grund, warum so viele Ratgeber oder Tipps von Bekannten und Freunden nicht funktionieren. Was für den einen gut ist, ist es noch lange nicht für jemanden anders.

Position beziehen

Ich höre beim Autofahren ganz gerne Musik im Radio, meistens die gängige Popmusik. Das ist meistens ein ziemlich willkürlicher Mix aus unterschiedlichen Stilen und Jahren. Nicht alles davon finde ich toll, manches ganz nett und einiges gut. Es gibt da jedoch einen Song, bei dem ich sofort den Sender verlasse oder das Radio ganz ausmache: Es ist das Lied der „Bloodhound Gang“: „You and I are nothing but mammals“. („Du und ich sind nichts anderes als Säugetiere“)

Der Text ist so ignorant, das ich ihn nicht ertragen kann. Er ist frei von jeglicher Wertschätzung für die vielen Millionen Jahre, die es gedauert hat, bevor überhaupt Leben auf diesem Planeten entstehen konnte. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist annähernd „Null“. Bei genauerer Betrachtung ist die Entstehung des Lebens ein Wunder.

Und nach weiteren Millionen von Jahren von Entwicklung gab es dann die ersten Säugetiere, und nach einer weiteren langen Entwicklung entstanden dann die ersten Menschen, ein evolutionärer Sprung, der uns so weit über die Tierwelt hinausgebracht hat, dass wir heute immer noch nicht so recht wissen, was wir mit unseren menschlichen Gaben eigentlich anfangen sollen.

Ich widerspreche komplett der Ansicht, das die Menschen Säugetiere sind. Unsere Körper funktionieren natürlich ähnlich wie die der Tiere – wir brauchen, genau wie sie – Essen, Wasser, Wärme, Luft, Freiheit, Licht, Schlaf und vieles mehr. Das allerdings ist nur die unterste Ebene – die körperliche – unserer Existenz. Darüber gibt viele andere Ebenen, die uns erst zu Menschen machen.

Da ist die Intellektuelle Ebene, die es uns ermöglicht, unseren Lebensraum nach unseren Wünschen zu gestalten. Tiere passen sich ihrer Umgebung an, wir passen unsere Umgebung unseren Bedürfnissen an. Wir können planen und heute schon für morgen sorgen. Wir haben die Freiheit, zwischen verschiedenen Möglichkeiten und Optionen zu wählen, und können die Konsequenzen unseres Handelns erkennen und abschätzen.

Und da ist die geistige, spirituelle Ebene, wo wir kreativ sind, wo es Musik, Kunst, Philosophie, Religion, Medizin, Poesie gibt. Alles Bereiche von menschlicher Tätigkeit.

Wie steht es mit Hoffnung, Glaube, Liebe, Wohlwollen, Nächstenliebe, Freundschaft…Alles rein menschliche Bereiche.

Tiere können das alles nicht, sie sind intelligent programmiert und zu Erstaunlichem fähig, aber sie sind nicht frei in ihren Entscheidungen. Es ist eine interessante Übung, sich mal ein Wörterbuch zu nehmen und nach zu sehen, wie viele Worte es ohne uns Menschen nicht geben würde. (Natürlich gäbe es ohne Menschen auch kein Wörterbuch!)

Wenn wir beginnen, uns für intelligente Tiere zu halten, öffnet das die Tür für den Verlust aller menschlichen Standards, es ist der Beginn des Verlusts jeglichen Respekts für menschliches und anderes Leben, der Beginn der Barbarei.

Das liegt natürlich nicht an einem Popsong, aber dieser Song wirft ein Schlaglicht auf eine gefährliche Tendenz. Menschliches Leben ist wertvoll, kostbar, unbezahlbar, weil wir alle einmalig sind, weil wir lebendig sind und voller Möglichkeiten und Potenzial. So, danke „Bloodhound Gang“, das eurer Song mich immer wieder daran erinnert, dass ich Position beziehen muss.

Position für die Menschen, die Zukunft und die zukünftigen Generationen, damit auch die noch eine lebenswerte Welt, voller Leben und Menschlichkeit, Wärme und Verständnis, Toleranz und Vergebung, vorfinden.

Epochenwechsel

Es hat, soweit wir wissen, schon immer Krisen, Probleme und Konflikte auf dieser – unserer gemeinsamen Erde gegeben. Neu ist jedoch die Anzahl, die Reichweite und die Gleichzeitigkeit der heutigen Probleme. Zugleich verstärkt die Lösung eines Problems oft ein anderes Problem, und was wir zu einer erfolgreichen Lösung brauchen würden, ist Einigkeit und Kooperation. Wie weit sind wir davon entfernt?

Was sich in diesen Krisen deutlich zeigt ist, dass die vorhandenen Institutionen und die etablierten Organisationen und die bewährten Lösungsansätze nicht effektiv mit den Herausforderungen umgehen können. Was es braucht ist nicht weniger als ein anderer Lebensstil und eine neue Lebensphilosophie – und das ist notwendig, denn wollen wir künftigen Generationen einen kaputten, geplünderten und vermüllten Planeten überlassen? Es scheint, dass viele das wollen, wie sonst ist die Forderung nach Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken zu deuten? Oder wie sonst können wir den Schrei nach mehr Geld und Unterstützung verstehen, nur um seinen Lebensstil nicht ändern zu müssen.

Dabei ist es doch so klar, der Wert einer Kuh ergibt sich nicht aus der Menge Gras, die sie frisst, sondern ergibt sich aus der Menge Milch, die sie liefert.

Das ist ein echt krudes Beispiel, weil für uns Menschen andere Regeln gelten. Der Wert eines Menschen liegt nicht in dem, was er produziert, sondern der Wert eines Menschen liegt in seiner Wertschätzung für das Leben, seines Lebens und das Leben jeden anderen Lebenswesen. Denn nur wir Menschen haben die Fähigkeit und das Bewusstsein zu erkennen und wertzuschätzen, was Leben bedeutet. Leben ist nicht einfach eine Eigenschaft, die uns gegeben wurde, sondern Leben ist ein Prozess. Leben kann wachsen, größer werden, sich auf neue Territorien begeben, sich neuen Herausforderungen stellen, wodurch wir dann lebendiger und wacher werden, oder kann auch ein Prozess sein, der uns mehr und mehr erstarren und apathisch werden lässt, immer weniger lebendig, immer weniger wach, immer weniger kreativ, in Routinen erstarrt.

Für diese Tatsache hat die Deutsche Sprache sogar verschiedene Worte: lebend, lebendig, beseelt, begeistert. Und das ist es, worauf es ankommt: Wenn wir uns für etwas begeistern braucht es nicht noch mehr, kein Geld der Welt kann das Gefühl der Begeisterung kaufen, wir brauchen dann keine Anerkennung von Außen, keine Orden oder Belohnung. Wir gehen in dem auf was uns begeistert und wir bekommen daraus auch die Energie dafür, weiter zu machen. Leider ist unser Schulsystem nicht darauf abgestellt, Kinder zu begeistern, sondern ist darauf ausgerichtet, sie für die bestehende Gesellschaft nützlich zu machen.

Was wir brauchen, um die Krisen und Herausforderungen zu bewältigen, ist jedoch eine Begeisterung für die Schöpfung, diesen wunderbaren Planet und vor allem das Leben. Es gibt keine „technischen“ Lösungen, es gibt keine „Rezepte“ für die Zukunft: Jedoch kann die Freude, die Wertschätzung und die Begeisterung über das Leben alle Hindernisse und Schwierigkeiten überwinden, wie der Löwenzahn, der in seinem Lebenswillen sogar den Asphalt der Straße durchbrechen kann.

Eine andere Sichtweise

Es ist wichtig, welche Geschichten wir über uns selbst/ uns selbst erzählen. Das macht einen großen Unterschied für unser Selbstwertgefühl und unser Selbstbewusstsein. Ich kann mir und anderen also die Geschichte erzählen, dass ich als sechstes Kind in einer aufstrebenden Arbeiterfamilie im Ruhrgebiet aufgewachsen bin. Und das ist wahr.

Ich kann mir aber auch eine andere Geschichte erzählen. Es ist die unfassbar große Anzahl an Atomen, eine 10 mit 28 Nullen, die zusammen gefunden haben, um mich zu bilden. Einige davon sind so alt wie das Universum alt ist. Es sind 10 hoch 14 Zellen (eine 10 mit 14 Nullen), die sich zusammen geschlossen haben, damit ich leben kann. Sie alle arbeiten ständig für mein Wohlergehen und meine Gesundheit. Und auch das ist wahr.

Diese Zellen bilden zusammen eine sinnvolle und zweckmäßige Einheit – trotz ihrer völlig unterschiedlichen Funktionen – damit ich die Freiheit habe, mich zu entscheiden und auszuwählen von den vielen tausenden Angeboten und Möglichkeiten, die dieser Planet und das Leben für uns alle zur Verfügung stellt.

Ich kann mich entwickeln, wenn ich möchte, oder auch nur das Gute im Leben genießen, egal was ich wähle, die Plattform ist und bleibt stabil. Natürlich gibt es auch Zeiten von Krankheit, wenn nicht alle Systeme gut zusammen arbeiten, wenn Dinge aus der Balance geraten – aber die Kraft unserer Selbstheilung und der Selbstregulierung ist ein wahres Wunder.

Unser Körper ist viel intelligenter als wir es sind. Er ist ein Meister in „Multitasking“. Und ein Meister im Energiemanagement, im Krisenmanagement und so viel mehr.

Er ist die kleinste, aber effektivste Chemiefabrik der Welt. Er produziert so viele verschiedene Stoffe, Enzyme, Hormone und Chemikalien wie kein Chemiewerk der Welt. Aber alles sicher und wohl dosiert. Nach Gebrauch wird alles, was nicht mehr notwendig ist, abgebaut oder recycled. Alles was wir tun müssen ist genug Wasser trinken, damit dieser Prozess nicht ins Stocken gerät.

Wenn Sie/ Dich also jemand fragt: „Was sind Sie?“ oder „Wo kommen Sie her?“ ist es durchaus legitim zu sagen: „Ich bin ein Wunder und ich komme aus dem Universum“. Vielleicht befremdlich für den Frager, aber genauso wahr wie die Antwort: „Schlosser aus Essen“. Ein Wunder aus dem Universum ist sogar viel näher an der Wahrheit, weil sie näher am Kern von dem ist, was wir wirklich sind. Das andere ist nur temporär, lokal und austauschbar.

Das gilt natürlich auch für jeden anderen Menschen, dem sie begegnen! Ein Wunder aus dem Universum!

Vom Fluch der Technik

Wir Menschen kommen als recht hilflose Wesen auf die Welt, nackt und wehrlos. Und oft verlassen wir die Welt auch wieder so. Unsere physischen Kräfte sind nicht besonders groß, wir sind nicht besonders schnell, fliegen können wir auch nicht, schwimmen können wir lernen, sind aber auch darin vielen Tieren unterlegen. Jeder Maulwurf kann besser Tunnel graben als wir.

Unsere Stärke liegt also in anderen Bereichen. Wir sind, oder können es zumindest sein, Meister der Kommunikation. Wir sind voller Forscherdrang und Neugier. Wir können kreativ sein in vielen Bereichen, Neues entdecken und schaffen. In uns wohnt eine Kraft, die uns immer wieder aufstehen lässt.

Technik hilft uns dabei, unsere Schwächen zu kompensieren. Im Flugzeug sind wir die schnellsten Lebewesen auf diesem Planeten. Im Uboot können wir tief tauchen wie Wale. Die von uns gebauten Maschinen können Tausende von Tonnen heben und bewegen. Unsere Waffen können diesen Planeten und alles Leben darauf zerstören.

Das hat Einfluss auf unser Selbstbild. Dick gepanzert mit 200 Stundenkilometern über die Autobahn zu fahren kann uns die Illusion geben, nicht schwach und verletzlich zu sein. Mit einem Gewehr in der Hand kann ich mich stark und überlegen fühlen. Aber das ist alles „Fake“, denn wir bleiben empfindlich, verletzlich, sterblich.

Wenn wir das erkennen, kann daraus eine ganz andere Kraft erwachsen und erwachen. Wir sind einmalig, weil wir unsere eigene, unwiederholbare Symphonie spielen können. Wir haben zwar gemeinsame Begriffe und Worte, aber was wir fühlen bei einem schönen Sonnenuntergang über dem Meer, beim Anblick des großartigen Sternenhimmels über uns, in der Nähe eines geliebten Menschen ist nicht das Gleiche, was andere fühlen. Denn unser einmaliges Wesen reagiert auch in einmaliger Weise, in unserer eigenen Weise.

Aber das bemerken und fühlen wir nur, wenn wir nicht gerade durch irgendwelche technischen, äußerlichen Dinge abgelenkt sind. Unsere Einmaligkeit können wir nur in der Stille erleben, wenn all der Lärm der Welt in den Hintergrund tritt.

Technik kann uns helfen, mehr Zeit zu sparen, um in dieser Zeit zu uns selbst zu finden und unsere – und die unserer Mitmenschen – Einmaligkeit zu erleben. Sie kann uns aber auch entmenschlichen und versklaven, wenn wir das zulassen und vergessen, wie zerbrechlich wir sind.

Kriegsverbrechen, was soll das sein?

Ich finde es sehr befremdlich, dass bestimmte Dinge, die im Krieg geschehen oder gemacht werden, als Kriegsverbrechen geahndet werden und bestimmte Waffen als völkerrechtswidrig eingestuft werden, anderes aber nicht. Dabei ist das entscheidende Verbrechen der Krieg selbst.

Es ist egal, mit welcher Waffe jemand auf Unbewaffnete schießt, es ist immer ein Verbrechen. Es ist ein Verbrechen auf Wohngebiete, Schulen und Krankenhäuser Bomben zu werfen. Es ist ebenso ein Verbrechen, Menschen aus ihrer Heimat zu vertreiben, ihnen die notwendigen Mittel zum Leben zu entziehen und den Zugang zu medizinischer Versorgung zu verweigern. Es ist ein Verbrechen, ganze Landstriche zu verminen und sie dadurch für Mensch und Tier unbrauchbar und unbewohnbar zu machen. Oder gar alles Leben auf diesem Planeten auslöschen zu wollen.

Die Unterscheidung in. was im Krieg legitim ist und was nicht, ist rein akademisch und entspricht nicht der Realität eines Krieges, sondern ist indirekt eine Legitimation für Krieg. Was ist erlaubt und was nicht? Es gibt aber keinen guten, sauberen Krieg. Krieg ist immer schmutzig, grausam, menschenverachtend, destruktiv und hindert den menschlichen Fortschritt auf Jahre hinaus, weil alle, Sieger und Besiegte, traumatisiert sind. Und das über Generationen hinweg.

Dabei möchte ich keinem Land das Recht auf Verteidigung absprechen. Aber sich zu verteidigen, auch mit Waffen, ist eine ganz andere Sache als einen Krieg zu beginnen.

Wir Menschen haben die größten Fähigkeiten von allen Lebewesen auf diesem Planeten. Wir haben die großartige Gabe von Sprache. Wir haben die Gabe der Empathie. Wir können wunderbare Dinge erschaffen. Wenn wir das wissen, warum sollten wir uns gegenseitig vernichten? Wir atmen die gleiche Luft, stehen auf dem gleichen Boden, die Sonne scheint auf uns alle ohne Unterschied. Sie ist die Quelle allen Lebens, in Zusammenarbeit mit diesem besonderen Planeten, der uns alle nährt und ernährt.

Krieg ist dazu die Antithese, das große NEIN zum Leben. Er richtet sich nicht nur gegen den unmittelbaren Gegner, sondern gegen die gesamte Schöpfung, er richtet sich gegen Gottes Werk, wovon wir Menschen nur ein kleiner Teil, wenn auch ein ganz wichtiger sind.

Nie wieder Krieg, aber wie?

Was gerade in der Ukraine geschieht ist ein Rückfall in barbarische Zeiten. Immer, wenn so etwas geschieht, erschallt der Ruf: „Nie wieder Krieg!“ Ein paar Jahre später kommt dann der Nächste, der seine Interessen mit Gewalt durchzusetzen versucht und Furcht, Schrecken und Unglück verbreitet, und wir fühlen uns bestürzt und hilflos.

Heute ist Putin der „Böse“, davor waren es Assad, Idi Amin, Stalin, Hitler, Attila, Mao Zedong, und so viele mehr. Es ist eine endlos lange Reihe von Kriegsherren, wobei das Wort „Herren“ das falsche ist, da sie sich durch ihr Tun auf eine Ebene unterhalb der menschlichen Ebene begeben haben.

Was ist all diesen „Herrschaften“ gemein? Wo kann man ansetzen, damit sich etwas Grundsätzliches ändert?

All diesen Tyrannen ist es gemein, das Leben nicht zu schätzen. Weder ihr eigenes noch das Leben anderer, sei das Mensch, Tier oder das Leben unseres blauen, fürsorgenden Planeten.

Das Leben, das größte Geschenk, welches man sich vorstellen und das man auch als solches erfahren kann, wenn man wirklich lebt und liebt.

Es sollte also die erste, wichtigste Aufgabe jeglicher Erziehung sein, den Wert für das Leben zu vermitteln, die Kinder teilhaben zulassen am Staunen über das Wunder des Lebens, und ihnen zu sagen und zu zeigen, dass Leben, jedes einzelne Leben, wichtiger ist als Leistungen, Noten, Rang, Titel oder Besitz. Das bedeutet, alle Kinder erst einmal so anzunehmen, zu respektieren und zu lieben, wie sie sind (am besten nicht nur die Kinder, und sondern alle Menschen)

Kindern die Liebe für das Leben beizubringen, ist gar nicht schwer, weil alle Kinder, wenn sie auf die Welt kommen, diese Liebe für das Leben schon mitbringen. Wir müssen also „nur“ versuchen, diese Liebe nicht zu zerstören. Kinder sind offen und neugierig für und auf das Leben. Und dann sagen und zeigen wir ihnen, dass sie nicht gut genug sind, nicht wichtig genug, um die erste Stelle in unserem Leben einzunehmen. Wir machen sie, oft unbeabsichtigt, aber trotzdem zu Verlierern.

Lebensliebe ist das größte Gegenmittel gegen Krieg, diese muss bei uns anfangen. Wenn wir das Leben tief und aufrichtig lieben, fällt es sehr schwer oder wird sogar unmöglich, Leben zu nehmen. Natürlich gibt es auch dann tragische Verwicklungen und Tragödien, in denen jemand sein Leben verliert. Aber das ist etwas anderes als Massenmord für seine eigenen Zwecke.

Das alles ist einfacher gesagt als getan. Es braucht dafür einen kompletten Neuanfang unseres Denkens, unseres Erziehungswesens und der Art wie wir miteinander umgehen. Also ist es streng genommen „utopisch“. Aber eine friedliche Erde ist auch eine Utopie, aber eine für die sich der Einsatz lohnt, allein weil die Alternative so schrecklich ist.