Ich höre beim Autofahren ganz gerne Musik im Radio, meistens die gängige Popmusik. Das ist meistens ein ziemlich willkürlicher Mix aus unterschiedlichen Stilen und Jahren. Nicht alles davon finde ich toll, manches ganz nett und einiges gut. Es gibt da jedoch einen Song, bei dem ich sofort den Sender verlasse oder das Radio ganz ausmache: Es ist das Lied der „Bloodhound Gang“: „You and I are nothing but mammals“. („Du und ich sind nichts anderes als Säugetiere“)
Der Text ist so ignorant, das ich ihn nicht ertragen kann. Er ist frei von jeglicher Wertschätzung für die vielen Millionen Jahre, die es gedauert hat, bevor überhaupt Leben auf diesem Planeten entstehen konnte. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist annähernd „Null“. Bei genauerer Betrachtung ist die Entstehung des Lebens ein Wunder.
Und nach weiteren Millionen von Jahren von Entwicklung gab es dann die ersten Säugetiere, und nach einer weiteren langen Entwicklung entstanden dann die ersten Menschen, ein evolutionärer Sprung, der uns so weit über die Tierwelt hinausgebracht hat, dass wir heute immer noch nicht so recht wissen, was wir mit unseren menschlichen Gaben eigentlich anfangen sollen.
Ich widerspreche komplett der Ansicht, das die Menschen Säugetiere sind. Unsere Körper funktionieren natürlich ähnlich wie die der Tiere – wir brauchen, genau wie sie – Essen, Wasser, Wärme, Luft, Freiheit, Licht, Schlaf und vieles mehr. Das allerdings ist nur die unterste Ebene – die körperliche – unserer Existenz. Darüber gibt viele andere Ebenen, die uns erst zu Menschen machen.
Da ist die Intellektuelle Ebene, die es uns ermöglicht, unseren Lebensraum nach unseren Wünschen zu gestalten. Tiere passen sich ihrer Umgebung an, wir passen unsere Umgebung unseren Bedürfnissen an. Wir können planen und heute schon für morgen sorgen. Wir haben die Freiheit, zwischen verschiedenen Möglichkeiten und Optionen zu wählen, und können die Konsequenzen unseres Handelns erkennen und abschätzen.
Und da ist die geistige, spirituelle Ebene, wo wir kreativ sind, wo es Musik, Kunst, Philosophie, Religion, Medizin, Poesie gibt. Alles Bereiche von menschlicher Tätigkeit.
Wie steht es mit Hoffnung, Glaube, Liebe, Wohlwollen, Nächstenliebe, Freundschaft…Alles rein menschliche Bereiche.
Tiere können das alles nicht, sie sind intelligent programmiert und zu Erstaunlichem fähig, aber sie sind nicht frei in ihren Entscheidungen. Es ist eine interessante Übung, sich mal ein Wörterbuch zu nehmen und nach zu sehen, wie viele Worte es ohne uns Menschen nicht geben würde. (Natürlich gäbe es ohne Menschen auch kein Wörterbuch!)
Wenn wir beginnen, uns für intelligente Tiere zu halten, öffnet das die Tür für den Verlust aller menschlichen Standards, es ist der Beginn des Verlusts jeglichen Respekts für menschliches und anderes Leben, der Beginn der Barbarei.
Das liegt natürlich nicht an einem Popsong, aber dieser Song wirft ein Schlaglicht auf eine gefährliche Tendenz. Menschliches Leben ist wertvoll, kostbar, unbezahlbar, weil wir alle einmalig sind, weil wir lebendig sind und voller Möglichkeiten und Potenzial. So, danke „Bloodhound Gang“, das eurer Song mich immer wieder daran erinnert, dass ich Position beziehen muss.
Position für die Menschen, die Zukunft und die zukünftigen Generationen, damit auch die noch eine lebenswerte Welt, voller Leben und Menschlichkeit, Wärme und Verständnis, Toleranz und Vergebung, vorfinden.