
Es hat, soweit wir wissen, schon immer Krisen, Probleme und Konflikte auf dieser – unserer gemeinsamen Erde gegeben. Neu ist jedoch die Anzahl, die Reichweite und die Gleichzeitigkeit der heutigen Probleme. Zugleich verstärkt die Lösung eines Problems oft ein anderes Problem, und was wir zu einer erfolgreichen Lösung brauchen würden, ist Einigkeit und Kooperation. Wie weit sind wir davon entfernt?
Was sich in diesen Krisen deutlich zeigt ist, dass die vorhandenen Institutionen und die etablierten Organisationen und die bewährten Lösungsansätze nicht effektiv mit den Herausforderungen umgehen können. Was es braucht ist nicht weniger als ein anderer Lebensstil und eine neue Lebensphilosophie – und das ist notwendig, denn wollen wir künftigen Generationen einen kaputten, geplünderten und vermüllten Planeten überlassen? Es scheint, dass viele das wollen, wie sonst ist die Forderung nach Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken zu deuten? Oder wie sonst können wir den Schrei nach mehr Geld und Unterstützung verstehen, nur um seinen Lebensstil nicht ändern zu müssen.
Dabei ist es doch so klar, der Wert einer Kuh ergibt sich nicht aus der Menge Gras, die sie frisst, sondern ergibt sich aus der Menge Milch, die sie liefert.
Das ist ein echt krudes Beispiel, weil für uns Menschen andere Regeln gelten. Der Wert eines Menschen liegt nicht in dem, was er produziert, sondern der Wert eines Menschen liegt in seiner Wertschätzung für das Leben, seines Lebens und das Leben jeden anderen Lebenswesen. Denn nur wir Menschen haben die Fähigkeit und das Bewusstsein zu erkennen und wertzuschätzen, was Leben bedeutet. Leben ist nicht einfach eine Eigenschaft, die uns gegeben wurde, sondern Leben ist ein Prozess. Leben kann wachsen, größer werden, sich auf neue Territorien begeben, sich neuen Herausforderungen stellen, wodurch wir dann lebendiger und wacher werden, oder kann auch ein Prozess sein, der uns mehr und mehr erstarren und apathisch werden lässt, immer weniger lebendig, immer weniger wach, immer weniger kreativ, in Routinen erstarrt.
Für diese Tatsache hat die Deutsche Sprache sogar verschiedene Worte: lebend, lebendig, beseelt, begeistert. Und das ist es, worauf es ankommt: Wenn wir uns für etwas begeistern braucht es nicht noch mehr, kein Geld der Welt kann das Gefühl der Begeisterung kaufen, wir brauchen dann keine Anerkennung von Außen, keine Orden oder Belohnung. Wir gehen in dem auf was uns begeistert und wir bekommen daraus auch die Energie dafür, weiter zu machen. Leider ist unser Schulsystem nicht darauf abgestellt, Kinder zu begeistern, sondern ist darauf ausgerichtet, sie für die bestehende Gesellschaft nützlich zu machen.
Was wir brauchen, um die Krisen und Herausforderungen zu bewältigen, ist jedoch eine Begeisterung für die Schöpfung, diesen wunderbaren Planet und vor allem das Leben. Es gibt keine „technischen“ Lösungen, es gibt keine „Rezepte“ für die Zukunft: Jedoch kann die Freude, die Wertschätzung und die Begeisterung über das Leben alle Hindernisse und Schwierigkeiten überwinden, wie der Löwenzahn, der in seinem Lebenswillen sogar den Asphalt der Straße durchbrechen kann.