Vom Fluch der Technik

Wir Menschen kommen als recht hilflose Wesen auf die Welt, nackt und wehrlos. Und oft verlassen wir die Welt auch wieder so. Unsere physischen Kräfte sind nicht besonders groß, wir sind nicht besonders schnell, fliegen können wir auch nicht, schwimmen können wir lernen, sind aber auch darin vielen Tieren unterlegen. Jeder Maulwurf kann besser Tunnel graben als wir.

Unsere Stärke liegt also in anderen Bereichen. Wir sind, oder können es zumindest sein, Meister der Kommunikation. Wir sind voller Forscherdrang und Neugier. Wir können kreativ sein in vielen Bereichen, Neues entdecken und schaffen. In uns wohnt eine Kraft, die uns immer wieder aufstehen lässt.

Technik hilft uns dabei, unsere Schwächen zu kompensieren. Im Flugzeug sind wir die schnellsten Lebewesen auf diesem Planeten. Im Uboot können wir tief tauchen wie Wale. Die von uns gebauten Maschinen können Tausende von Tonnen heben und bewegen. Unsere Waffen können diesen Planeten und alles Leben darauf zerstören.

Das hat Einfluss auf unser Selbstbild. Dick gepanzert mit 200 Stundenkilometern über die Autobahn zu fahren kann uns die Illusion geben, nicht schwach und verletzlich zu sein. Mit einem Gewehr in der Hand kann ich mich stark und überlegen fühlen. Aber das ist alles „Fake“, denn wir bleiben empfindlich, verletzlich, sterblich.

Wenn wir das erkennen, kann daraus eine ganz andere Kraft erwachsen und erwachen. Wir sind einmalig, weil wir unsere eigene, unwiederholbare Symphonie spielen können. Wir haben zwar gemeinsame Begriffe und Worte, aber was wir fühlen bei einem schönen Sonnenuntergang über dem Meer, beim Anblick des großartigen Sternenhimmels über uns, in der Nähe eines geliebten Menschen ist nicht das Gleiche, was andere fühlen. Denn unser einmaliges Wesen reagiert auch in einmaliger Weise, in unserer eigenen Weise.

Aber das bemerken und fühlen wir nur, wenn wir nicht gerade durch irgendwelche technischen, äußerlichen Dinge abgelenkt sind. Unsere Einmaligkeit können wir nur in der Stille erleben, wenn all der Lärm der Welt in den Hintergrund tritt.

Technik kann uns helfen, mehr Zeit zu sparen, um in dieser Zeit zu uns selbst zu finden und unsere – und die unserer Mitmenschen – Einmaligkeit zu erleben. Sie kann uns aber auch entmenschlichen und versklaven, wenn wir das zulassen und vergessen, wie zerbrechlich wir sind.

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