Die Evolution und wir

Es ist unbestreitbar, dass das Leben sich entwickelt. Von den Einzellern über Bakterien und Mikroben hin zu immer komplexeren und größeren Lebensformen, intelligenteren Lebewesen. Irgendwie scheinen wir Menschen zu denken, dass mit uns die Evolution abgeschlossen ist – vielleicht denken wir das nicht bewusst – aber zumindest benehmen wir uns so, als wären wir der Endpunkt der evolutionären Entwicklung. Wir betrachten alle anderen Lebensformen als uns unterlegen, als Dinge, als Sache (sogar rechtlich ist das Verletzen oder Töten einer Katze „Sachbeschädigung“), als Ware und als Studienobjekte, die wir ganz zu unseren eigenen Zwecken benutzen, quälen oder sogar töten können, bis hin zur Ausrottung ganzer Arten und Kulturen.

Wahr daran ist, dass der Mensch ein Höhepunkt der evolutionären Entwicklung ist. Mit unserer Fähigkeit der Selbstreflektion und der Fähigkeit, uns unserer selbst bewusst zu sein, nehmen wir jetzt eine andere Rolle im Spiel des Lebens ein. Die Evolution des Menschen funktioniert nicht mehr automatisch. Denn wir haben einen freien Willen. Nichts und niemand kann uns zwingen, uns zu entwickeln. Wir müssen das jetzt schon selber tun.

Wir haben die Freiheit, uns wie Tiere zu verhalten und unsere höheren Fähigkeiten nicht zu benutzen. Oder wir können die in uns angelegten Fähigkeiten nutzen und zur Entfaltung bringen. Das macht uns dann zu „echten“ Menschen. Nur im Spannungsfeld von Reiz und Reaktion zu bleiben, macht uns unfrei und bringt uns auf die Ebene von Tieren. Da wir vom Tier abstammen, haben wir natürlich die Reaktionen von Kämpfen und Flüchten in uns. Diese sorgen für unser Überleben – und es ist gut, dass wir sie haben. Diese Systeme machen uns jedoch nicht zum Menschen. Das werden wir erst durch das Benutzen anderer, höherer Systeme,  die es uns ermöglichen, nicht in diese Automatismen zu bleiben. Wir können die Veränderung sein, die wir in der Welt sehen möchten.

Die Fragen nach politischem Standpunkt, rechts oder links, konservativ oder progressiv, liberal oder ordnungsliebend, sie alle sind beliebig, solange sie nicht an einem Kriterium gemessen werden können. Die eigentlichen, wichtigen Fragen lautet ungefähr so:

Möchte ich Teil dieser großartigen Schöpfung sein oder ist mir das egal? Möchte ich mein Ego über alles andere stellen, oder möchte ich im Einklang mit den schöpferischen, lebensbejahenden Kräften sein und mit ihnen zusammen wirken? Bin ich selbst lebendig und bin ich aktiv für das Leben, oder nehme ich nur als Parasit Anteil daran? …

Es gibt da keine allgemeingültige Fragen und Formulierungen, und mit den Antworten wird das auch nicht anders. Am besten, Sie finden ihre eigenen Fragen und Antworten. (Wobei Fragen uns meistens weiterbringen als Antworten: Fragen sind wie eine offene Tür, Antworten wie eine geschlossene.)

Das ist dann praktizierte Evolution, denn zumindest Sie haben sich weiter entwickelt, neue Standpunkte bezogen oder andere Fragen gestellt. Denn Philosophie ist nichts, was in Büchern steht. Sie zeigt sich darin, wie wir unser Leben leben und gestalten, oder auch nicht.

 

 

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