Was ist los in der Welt, frag ich mich? Ist es uns egal geworden, ob Menschen ertrinken, durch Bomben sterben, verhungern, im Gefängnis sitzen? Sind wir nur noch ängstlich besorgt um unser eigenes Leben, unseren bescheidenen Wohlstand?
Liegt es etwa an unfähigen Politikern? Der Presse? Den Flüchtlingen? Oder liegt es an ganz etwas anderem, dass der Egoismus heute so viele Triumpfe feiert?
Das „Problem“ liegt für mich nicht in der Politik, nicht an äußeren Dingen, sondern daran, dass der Glaube an die Sinnhaftigkeit menschlichen Lebens uns mehr und mehr verloren geht. Wenn Menschen nur noch als Produzent oder Konsument ihren Wert haben, können wir einige Tausend Menschenleben weniger, ganz gut verkraften. Es sind dann sowieso nur Konkurrenten, und nicht Mitmenschen, Brüder und Schwestern, Zeitgenossen, denen sich die gleichen Herausforderungen wie uns stellen.
Ich gehe jedoch davon aus, dass wir Menschen hier auf dieser Erde sind, um eine Aufgabe zu erfüllen. Damit ändert sich das Bild, und jeder Mensch wird wertvoll. Weil ohne ihn die Aufgabe nicht erfüllt werden kann – zumindest nicht seine persönliche Aufgabe. Und auch nicht unsere kollektive Aufgabe: Zeugen zu sein von all den Wundern und der Schönheit der Welt.
Wie komme ich darauf? Von all den Lebewesen auf dieser Welt haben – so weit wir es heute wissen – nur wir Menschen die Fähigkeit, Schönheit zu sehen, Kunst zu erschaffen und Wunder zu erkennen. Nur wir Menschen schauen hinauf in die Unendlichkeit des Universums und wissen, dass da so viel mehr ist, als in all unseren Büchern steht. Das es nicht nur Zeit, sondern auch Ewigkeit gibt. Nicht nur Entfernung, sondern auch Unendlichkeit…
Menschliches Leben ist großartig – oder kann es zumindest sein. Wir alle können großartig sein, wenn wir anfangen, über unsere eigene Beschränktheit und Engstirnigkeit hinüber zu sehen und zu gehen. Und wenn wir unser eigenes Leben als wertvoll erachten, dann kann es uns gar nicht mehr gleichgültig sein, was mit anderen, mit Mitmenschen geschieht. Es geht nicht um uns persönlich, sondern um das Leben, das höchste und wunderbarste Geschenk.