Ich bin recht stolz auf „unsere“ deutsche Nationalhymne. Nicht über die erste Strophe, die ähnelt doch sehr anderen Hymnen, die das eigene Land glorifizieren. Aber auf die dritte, die ja auch die offizielle Hymne ist: „Einigkeit und Recht und Freiheit für das Deutsche Vaterland, danach lasst uns alle streben, brüderlich mit Herz und Hand…“
Das ist doch mal eine schöne Aufgabe für uns alle, die wir hier im Land wohnen. Sich selbst für das Volk zu erklären ist dabei nicht sehr hilfreich, sondern zerstört das Streben nach der Einigkeit. Einigkeit ist nichts, was wir vorfinden, es ist auch kein Endzustand, es ist ein Prozess, eine Herausforderung, ein Kraftakt, der viel von jedem Einzelnen verlangt. Einigkeit bedeutet, seine eigenen Ansprüche und Forderungen zurück zu stellen für eine mehr oder minder abstrakte Gesamtheit oder Gemeinschaft. Es bedeutet aber auch, Prinzipien zu bewahren und zu verteidigen und diese nicht in der Bewegung der Massen über Bord zu werfen.
Damit sind wir gewissermaßen schon bei Punkt zwei, dem Recht. Und auch das gestaltet sich nicht einfach. Recht ist nicht unbedingt das, was in irgendwelchen Gesetzestexten steht. Die sind mittlerweile so kompliziert und unverständlich geworden, dass sie mehr verschleiern als enthüllen. Recht muss klar, eindeutig und nachvollziehbar sein. Die „Zehn Gebote“ sind ein Musterbeispiel davon, wie so etwas aussehen könnte. Das eigene Gewissen ist dabei vielleicht ein besserer Ratgeber als das Beharren auf Paragrafen.
Und dann bleibt da noch das Streben nach Freiheit. Vielleicht haben wir das ja schon ganz aufgegeben bei unserem Wunsch nach Sicherheit und Schutz. Das ist vielleicht der größte Fehler, den wir heute machen, denn sind nicht „Einigkeit und Recht und Freiheit des Glückes Unterpfand?“ Zumindest behauptet unsere Hymne das, und ich glaube das auch. Freiheit ist das, was uns Menschen zu Menschen macht. Sie ist unser größtes Geschenk. In ihr liegt der Unterschied zu anderen Lebewesen. Und ohne Freiheit können wir unseren menschlichen Aufgaben nicht nachkommen.
Roboter können vielleicht viel, und manches besser als wir. Sie können aber keine Wärme, Geborgenheit, Fürsorge und Liebe geben. Menschen sind unersetzlich, wenn sie frei sind.
Streben, nicht fordern ist die Nachricht. Und streben fängt immer bei uns selbst an. Es ist ein eigenverantwortlicher Vorgang.
Vielleicht hören wir mal genauer hin, wenn das nächste mal die Deutsche Hymne gespielt wird.