Heimat

„Die Krähen schrei’n und ziehen schwirren Flugs zur Stadt, bald wird es schnei’n, wohl dem, der jetzt noch Heimat hat.“ so heißt es in einem Gedicht von Nitsche.

Aber was heißt es, Heimat zu haben? Da stehen Menschen auf der Straße und beschimpfen und bedrohen andere Menschen, die offensichtlich ihre Heimat verloren haben. Haben aber nicht auch die, die gegen die Neuankömmlinge protestieren, ihre Heimat schon längst verloren oder vielleicht auch nie gefunden?

Denn Heimat bedeutet, einen Platz gefunden zu haben, an dem man sich geborgen fühlt. Wer sich geborgen fühlt, hat keinen Grund, gegen andere zu protestieren. Er fühlt sich einig und in Harmonie mit dem Platz, an dem er lebt.

Daraus ergibt sich dann ganz natürlich der Wunsch, dass auch andere Menschen eine Heimat finden, wo immer das auch sein mag. Wenn sie dort Heimat finden, wo ich mich zu Hause fühle, umso besser. Was kann mich erschüttern, wenn ich meinen Platz gefunden habe?

Warum ist es dann so schwierig, sich sogar an dem Platz oder in dem Land, in dem man geboren wurde, sich heimisch zu finden?

Durch das industrielle Zeitalter verlieren wir mehr und mehr den Zugang zu unseren Wurzeln. Unsere Wurzeln befinden sich in unserem Planeten. Er versorgt uns mit allem, was wir benötigen. Das war früher sehr klar, als die meisten Menschen von den direkten Erträgen ihrer Arbeit gelebt haben. Heute ist diese Unmittelbarkeit weitgehend verloren gegangen. Wir drücken einen Knopf auf der Computertastatur und bekommen etwas geliefert, was bereits durch viele verschiedene Prozesse gelaufen ist. Ein Fischstäbchen z.B. hat nur noch sehr wenig mit dem Fisch zu tun, der einmal munter durch das Meer geschwommen ist.

Wir kaufen Dinge, die fast ohne menschliches Zutun produziert worden sind, sondern in menschenleeren Fabriken. Wir bestellen bei weltweiten Konzernen, bei denen niemand mehr weiß, wem sie gehören und die auch nur noch übers Internet zu erreichen sind. Menschen scheint es da nicht mehr zu geben.

Es ist sehr bedauerlich, dass Menschen sogar im eigenen Land keine Heimat finden. Das hat aber nichts mit anderen Menschen zu tun. Wachen wir auf! Sehen wir, welche Schätze, Werte und unentdeckte Geheimnisse das Leben für uns bereithält. Sehen wir, wie großartig dieses Land ist, wie reich seine Kultur und seine Sprache. Seinen wir dankbar dafür, in diesem Land leben zu dürfen. Stolz spielt dabei überhaupt keine Rolle. Dankbarkeit ist der Weg zur Heimat und Geborgenheit, zu Frieden und Freiheit.

 

 

 

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