Zerbrechliche Idyllen

Gar nicht so weit, von wo ich wohne, gibt es ein Stück ganz besonderen Waldes. Es ist gar nicht so einfach zu beschreiben, was dort so besonders ist. Es ist ein Platz, wo vor einigen Jahren Bäume gerodet wurden, also eine Art Lichtung. Jedoch sind einige große Bäume stehen geblieben, deren Äste den Platz heute überdachen, aber auf eine ganz lichte Weise. Im Schutz dieser alten Bäume wachsen nun viele neue Bäume und Sträucher, Blumen, Pilze und Gräser. Es wimmelt nur so von Leben. Die Rodungsfahrzeuge haben tiefe Spuren hinterlassen, in denen lange Zeit das Wasser stehen bleibt. So haben wir hier alle Elemente versammelt, Erde, Wasser, Luft und das Feuer in der Form von Licht.

Es ist ein Platz, wo die Seele atmen kann, denn es fühlt sich hier friedlich und beschützt an. Die Geräusche des Verkehrs kann man durchaus hören, sie stören jedoch nicht und treten ganz in den Hintergrund. Da die jungen Bäume am Fuße der alten wachsen können, hat das Ganze ein wenig das Gefühl von Familie. Vielleicht ist hier der Begriff „idyllisch“ angebracht?

Als ich gestern auf dem Weg dorthin war, sah ich zu meinem Entsetzen eine große Menge gefällter Bäume an der Seite des Weges liegen. Zum Glück hatten die Holzarbeiter nur in der Nähe des Platzes gearbeitet und der Platz selbst war unberührt. Es wurde mir jedoch dadurch klar, wie fragil diese Idylle dort ist. Sobald irgend jemand auf die Idee käme, die noch verbliebenen alten Bäume zu fällen, wäre die ganze Ökologie dieses Ortes ruiniert und damit der ganze Zauber des Ortes verschwunden.

Im Jahre 2040 – oder hoffentlich früher – wird es jedem Menschen möglich sein, bestimmte besondere Plätze unter Schutz zu stellen. Wir Menschen brauchen diese Plätze, um zu uns selbst zurück zu finden. Unsere Seelen brauchen diese Plätze, um sich zu regenerieren und um wieder in Einklang zu kommen mit der Schöpfung. Und wir brauchen intakte Seelen um selbst gesund zu bleiben.

Es war sehr interessant: Auf dem Hinweg zu diesem Platz habe ich ein paar Pilze gesehen. Auf dem Rückweg sah ich ein paar hundert Pilze, weil sich auf wunderbare Weise an diesem Platz meine Wahrnehmung geschärft hatte und ich wieder verbunden war mit der großen Mutter Erde.

Ich wünsche allen Menschen so einen Platz des Friedens und der Rückverbindung.

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